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Fenster oder Kellerdecke? Wo man beim Altbau wirklich anfangen sollte

  • Autorenbild: Engler
    Engler
  • 28. Nov. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Wenn es draußen ungemütlich wird und die Heizkosten steigen, fällt der Blick meistens sofort auf die Fenster. „Da zieht’s doch!“ ist der Klassiker unter den Sanierungs-Gründen in der Pfalz. Und ja, neue Fenster sind schick, schließen meist satter und bieten einen massiv besseren Schallschutz. Aber bevor Sie jetzt 20.000 Euro oder mehr investieren, machen wir einen radikalen Wirtschaftlichkeits-Check. Denn oft ist das Fenster gar nicht der größte Wärmedieb im Haus – und ein vorschneller Tausch kann ohne Gesamtkonzept sogar neue Probleme verursachen.


Der Glas-Check: 1995 als magische Grenze

Zuerst einmal müssen wir klären, wie alt Ihre Fenster eigentlich sind. Hier gibt es eine wichtige Grenze: Das Jahr 1995. Ab 1996 besitzen Scheiben meist schon eine Wärmeschutzverglasung mit unsichtbarer Metallbeschichtung. Wenn Ihre Fenster aus dieser Zeit stammen, ist das Glas energetisch oft noch „gut genug“. Ein kompletter Austausch für oft 600 bis 1.000 Euro pro Quadratmeter Fensterfläche bringt dann weniger Ersparnis, als die hohen Kosten vermuten lassen. Die Amortisation liegt hier oft erst jenseits der 30 oder 40 Jahre. Werden jedoch die Beschläge defekt, ist eine Begutachtung durch eine Fachfirma unerlässlich, um zu entscheiden, ob eine Wartung reicht oder Materialermüdung einen Austausch erzwingt.


Experten-Exkurs: 2-fach oder 3-fach Verglasung im Altbau?

Oft hört man die Warnung: „Im ungedämmten Altbau bloß keine Dreifachverglasung, sonst schimmelt die Wand!“ Als Berater muss ich hier physikalisch präzisieren: Ob 2-fach oder 3-fach – in einem ungedämmten Altbau ist das neue Fenster energetisch fast immer „besser“ als die Wand. Die Wandfläche bleibt also so oder so der kälteste Punkt im Raum.

Der entscheidende Faktor ist nicht die Anzahl der Scheiben, sondern die neue Luftdichtheit. Alte Fenster hatten eine „Zwangslüftung“ durch undichte Rahmen. Neue Fenster sind hermetisch dicht. Die Feuchtigkeit, die früher entwich, bleibt nun im Haus. Da Dreifachverglasung jedoch eine deutlich höhere Oberflächentemperatur an der Innenscheibe bietet, steigt der Wohnkomfort massiv. Meine Empfehlung: Wenn Sie tauschen, dann direkt auf Dreifachverglasung – aber zwingend in Kombination mit einem Lüftungskonzept, um den Taupunkt an den ungedämmten Wänden im Griff zu behalten.


Vorsicht vor der Taupunktfalle: Wenn neue, luftdichte Fenster auf ungedämmte Außenwände treffen, wandert die Feuchtigkeit in die Ecken. Ohne das passende Lüftungskonzept ist Schimmel hier vorprogrammiert.
Vorsicht vor der Taupunktfalle: Wenn neue, luftdichte Fenster auf ungedämmte Außenwände treffen, wandert die Feuchtigkeit in die Ecken. Ohne das passende Lüftungskonzept ist Schimmel hier vorprogrammiert.

Kellerdeckendämmung: Der Rendite-König im Altbau

Während jeder über die Fenster rechnet, wird die Kellerdecke oft vergessen, dabei ist sie aus Sicht der Investitionsrechnung der „Rendite-König“. Eine fachgerechte Dämmung reduziert den Wärmeverlust über die Kellerdeckenfläche sofort um etwa 90 %. Auf das gesamte Gebäude bezogen bedeutet das eine Einsparung von 5 bis 10 % Ihrer gesamten Heizenergie. Und das bei Kosten von oft nur 50 bis 100 Euro pro Quadratmeter.

Besonders attraktiv: Die Kellerdeckendämmung ist ein ideales Do-it-yourself-Projekt. Wer handwerklich geschickt ist, kann hier die Lohnkosten komplett sparen. In diesem Fall ist die Rendite unschlagbar, da sich die reine Materialinvestition oft schon nach drei bis fünf Heizperioden von selbst bezahlt hat. Wichtig ist dabei jedoch die fachgerechte Ausführung: Eine reine Dämmplatte reicht nicht – wir müssen auf die Luftdichtheit an den Randanschlüssen und eine konsequente Begleitdämmung an den herabgeführten Wänden achten. Mein Praxistipp: Verlegen Sie die Dämmung zweilagig und versetzen Sie die Fugen im Verband. So schließen Sie potenzielle Lücken sicher luftdicht ab.


Der ehrliche Kosten-Check: Während sich die Investition beim Fachhandwerker durch die hohen Lohnkosten erst nach etwa 13 bis 15 Jahren rechnet, erzielen Sie beim Do-it-yourself-Projekt (ohne Eigenkosten) durch den Wegfall der Lohnkosten eine Amortisation von unschlagbaren 4 bis 5 Jahren.
Der ehrliche Kosten-Check: Während sich die Investition beim Fachhandwerker durch die hohen Lohnkosten erst nach etwa 13 bis 15 Jahren rechnet, erzielen Sie beim Do-it-yourself-Projekt (ohne Eigenkosten) durch den Wegfall der Lohnkosten eine Amortisation von unschlagbaren 4 bis 5 Jahren.

Fazit: Pfälzer Pragmatismus gewinnt

Neue Fenster sind ein Gewinn für Optik und Schallschutz, aber sie sind oft das energetische Sahnehäubchen. Wenn Sie mit gesundem Menschenverstand und Blick auf die Rendite vorgehen wollen, sollten wir erst die „tiefhängenden Früchte“ wie die Kellerdecke ernten. Auch für Eigenleistungen gibt es unter bestimmten Voraussetzungen staatliche Zuschüsse für das Material – lassen Sie uns das gemeinsam in Ihrem Sanierungsfahrplan (iSFP) festlegen. So investieren Sie mit Pfälzer Pragmatismus an der richtigen Stelle.


Eine Kellerdeckendämmung ist oft der wirtschaftlichste Hebel, um den Energieverlust sofort zu stoppen. Doch wie viel Sanierung ist in Zukunft eigentlich gesetzlich vorgeschrieben? Die neue EU-Gebäuderichtlinie wirft ihre Schatten voraus und wird die Bewertung unserer Häuser verändern. Was die neuen Einstufungen von A bis G für Ihren Altbau wirklich bedeuten und warum Sie trotz neuer Normen Ruhe bewahren sollten, erfahren Sie hier: [EU-Energieausweis 2026: Was die neuen Klassen für Ihren Altbau bedeuten]



Autor: Diethelm Engler

Energieeffizient-Experte - Baupraxis

Finanzökonom

Schwerpunkt Albausanierung


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