Teil 2: Wenn die Heizung „atmet“ – Warum ständiges An- und Ausschalten Ihre Wärmepumpe mürbe macht
- Engler

- 18. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Jan.
(Nachdem wir in Teil 1 gesehen haben, warum der Volumenstrom im Altbau oft zum Flaschenhals wird, schauen wir uns nun an, was das für die Lebensdauer Ihrer Anlage bedeutet.)
Ein entscheidender Faktor ist die Rücklauftemperatur. Sie ist der Gradmesser für die „thermische Gesundheit“ Ihres Systems. Das Wasser muss so kühl wie möglich zur Wärmepumpe zurückfließen. Je höher die Temperaturdifferenz zwischen Vor- und Rücklauf ist, desto effektiver können die Heizflächen die Wärme abgeben – vorausgesetzt, die absolute Vorlauftemperatur bleibt dabei so niedrig wie möglich. Jedes Grad unnötig hoher Vorlauftemperatur zwingt die Wärmepumpe zu härterer Arbeit und senkt die Effizienz sofort.
Der Wärmespeicher: Puffer oder Kurzschluss?
Hier kommt oft der Wärmespeicher ins Spiel. Er soll das System eigentlich beruhigen und Abtauprozesse unterstützen. In der modernen Fachplanung gilt die direkte Anbindung ohne Puffer oft als das energetische Ideal. Doch Vorsicht: Praktisch ist dies nur umsetzbar, wenn die Rohrleitungen im Bestand den hohen Volumenstrom jederzeit ungehindert aufnehmen können. Wird ein Speicher eingebaut, muss er exakt passen. Falsch eingebunden wirkt er wie eine „hydraulische Kurzschlussstrecke“: Die Wärmepumpe schiebt ihre Energie nur in den Speicher, merkt dort sofort den Temperaturanstieg und schaltet ab, bevor die Wärme überhaupt die Heizkörper erreicht hat.

Das Prinzip Schmalspurtraktor – und warum Frost kein Feind ist
Das Ergebnis eines schlecht abgestimmten Systems ist ständiges Ein- und Ausschalten. Wir nennen das „Takten“. Für das Herzstück Ihrer Anlage, den Verdichter, ist das eine enorme Belastung. Man kann diesen Verdichter mit einem Schmalspurtraktor in den Pfälzer Steillagen vergleichen: Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob der Traktor konstant die Rebzeilen hochzieht oder ob er an jedem einzelnen Rebstock im steilen Hang gestoppt, ausgemacht und unter voller Last am Berg wieder neu angerissen wird. Jeder Techniker weiß: Dieser mechanische Stress kostet Lebensdauer und unnötig viel Strom.
Viele Kunden fragen mich: „Was ist bei Frost?“. Keine Sorge: Auch bei Minusgraden enthält die Außenluft genug Energie. Das Kältemittel im Außengerät ist so kalt, dass es der Frostluft noch Wärme entziehen kann. Das Gerät vereist dabei zwar, taut sich aber effizient selbst ab. Ein gut geplantes System hat dafür genug Reserve im Rücken, ohne dass sofort der teure Elektro-Heizstab einspringen muss.
Experten-Wissen: Systemstabilität durch anerkannte Technik-Standards
Ein stabiler Betrieb ohne übermäßiges Takten hängt nicht nur von der Einstellung der Ventile ab, sondern von der „thermische Gesundheit“ des gesamten Systems. Hier bilden die Fachregeln der VDI 4645 für eine präzise Planung und die VDI 2035 für die Wasserqualität das fachliche Fundament. Ziel ist es, Korrosion und Steinbildung im System von vornherein zu verhindern, damit der Volumenstrom ungehindert fließen kann. Ergänzend liefert die VDI 4650 die Grundlage, um die Jahresarbeitszahl unter den realen Bedingungen in der Region Neustadt sicherzustellen.
Häufige Fragen (FAQ)
1) Was bedeutet „Takten“ genau? Es beschreibt das häufige Ein- und Ausschalten des Verdichters. In der Pfalz vergleichbar mit dem Verschleiß eines Traktors im extremen Stop-and-Go-Betrieb am Hang.
2) Brauche ich einen Pufferspeicher? Er ist oft ein notwendiger Kompromiss im Bestand, muss aber hydraulisch perfekt eingebunden sein, um nicht als Effizienz-Killer zu wirken.
Quellen und fachliche Referenzen
Fraunhofer ISE: Feldanalyse „Wärmepumpen im Bestand“: Diese Studie ist die wichtigste Referenz für die Praxis. Sie zeigt auf, dass eine unzureichende Einbindung und zu geringe Volumenströme die Effizienz (Jahresarbeitszahl) massiv einbrechen lassen. Besonders die Erkenntnisse zur Taktshäufigkeit bei überdimensionierten Anlagen sind hier dokumentiert.
VDI 4650 Blatt 1: Berechnung der Jahresarbeitszahl von Wärmepumpen: Diese Richtlinie erklärt physikalisch, wie sich die Anzahl der Einschaltvorgänge und die Anlaufverluste auf die Gesamteffizienz auswirken. Sie untermauert deine Aussage, dass eine Wärmepumpe in den ersten Minuten nach dem Start energetisch ineffizient arbeitet.
Fachpublikationen zum Thema „Modulation bei Wärmepumpen“: Referenzen auf Hersteller-unabhängige Analysen (z.B. in der Zeitschrift IKZ-Fachplaner), die belegen, dass modulierende Wärmepumpen nur dann ihre Langlebigkeit ausspielen können, wenn die Mindestumlaufwassermenge (Volumenstrom) dauerhaft gesichert ist.
Lebensdauer-Analysen von Verdichtern (Scroll-/Hubkolbenverdichter): Technische Dokumentationen (z.B. von Verdichter-Herstellern wie Copeland oder Danfoss), die belegen, dass die Anzahl der Start-Stopp-Zyklen der primäre Faktor für den mechanischen Verschleiß am Herzen der Wärmepumpe ist.
Autor: Diethelm Engler
Energieeffizient-Experte - Baupraxis
Finanzökonom
Schwerpunkt Albausanierung



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