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Teil 1: Warum Ihre Wärmepumpe im Altbau oft mehr Strom verbraucht als geplant

  • Autorenbild: Engler
    Engler
  • 18. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Hinweis: Um dieses Thema wirklich verständlich und seriös zu behandeln, müssen wir ein Stück weiter ausholen als üblich, und ich habe diesen Beitrag in 3 Teile geteilt. Denn echte Einsparungen entstehen nicht durch Schlagworte, sondern durch das Verständnis, wie die Technik in Ihrem Haus wirklich zusammenarbeitet.


Ich kenne dieses ungute Gefühl im Bauch: Die nagelneue Wärmepumpe summt im Keller – eigentlich sollte jetzt alles besser sein – aber das Wohnzimmer wird nicht richtig gemütlich oder die Stromrechnung raubt Ihnen den Schlaf. Machen wir uns nichts vor: Zwischen der Hochglanz-Theorie im Prospekt und der Realität in unseren Häusern klafft oft eine Lücke. In der Fachwelt nennen wir das nüchtern die „Performance-Lücke“.


Als unabhängiger Berater sehe ich das fast täglich. Das Problem ist selten das Gerät an sich. Es ist das mangelhafte Zusammenspiel im gesamten Haus. Langzeitstudien des Fraunhofer ISE belegen das schwarz auf weiß: Die Effizienz im Bestand schwankt massiv. Es kommt darauf an, wie konsequent das System auf die harten Fakten der Realität vorbereitet wurde.


Warum verbraucht meine neue Heizung mehr als geplant?

Kurz gesagt: Weil die theoretische Berechnung am Schreibtisch, die handwerkliche Einstellung im Keller und die echten Bedingungen Ihres Hauses oft völlig aneinander vorbeireden. Viele Anlagen leiden unter einem massiven „Kommunikationsproblem“. Die Wärme wird zwar produziert, findet aber den Weg nicht dorthin, wo Sie sie haben wollen.

Das regionale Gleichnis: Eine falsch eingestellte Heizung in einem unserer Pfälzer Häuser ist wie eine Wanderung zum Hambacher Schloss, bei der Sie zwar die teuersten Wanderschuhe tragen, aber eine Karte nutzen, die nur die flache Rheinebene zeigt. Sie kommen zwar irgendwie oben an, verbrauchen aber doppelt so viel Kraft wie nötig, weil Sie die steilen Anstiege und die tückische Bodenbeschaffenheit der Wanderpfade völlig unterschätzt haben.

Erst wenn die Temperaturen und der Wasserfluss (der Volumenstrom) exakt auf Ihre reale Gebäudesubstanz abgestimmt sind, wird aus technischem Potenzial echte Ersparnis. Alles andere ist leider nur das Prinzip Hoffnung.


Warum ein Grad zu viel Ihre Stromrechnung spürbar nach oben treibt

Ein entscheidender Faktor ist die Rücklauftemperatur. Sie ist quasi der Puls für die „thermische Gesundheit“ Ihres Hauses. Das Wasser muss so kühl wie möglich zur Wärmepumpe zurückfließen. Je besser Ihre Heizflächen die Wärme abgeben können, desto effektiver arbeitet die Anlage – vorausgesetzt, das System muss das Wasser gar nicht erst unnötig heiß machen.

Jedes Grad an zu hoher Vorlauftemperatur zwingt die Wärmepumpe zu deutlich härterer Arbeit. Das merken Sie sofort im Geldbeutel.


Hintergrund: Warum die standortgenaue Real-Berechnung den Unterschied macht

Um diese Lücke in Ihrem Altbau zu schließen, müssen wir zwischen der Theorie und Ihrem echten Zuhause durch ein Beispiel unterscheiden. Ein Standardverfahren (nach DIN EN 12831) berechnet für ein typisches Pfälzer Bruchsteinhaus oft eine Heizlast von etwa z.B.12 kW.

Doch bei einer standortgenauen Real-Berechnung gehtes einen Schritt weiter: Sie berücksichtigt die spezifischen Bedingungen direkt am Haardtrand. Durch die exponierte Hanglage und die besondere Thermik des Pfälzerwalds zeigt sich in der Praxis oft ein tatsächlicher Bedarf von z.B 14,2 kW.


Diese Differenz von über 15 % entscheidet darüber, ob Ihre Wärmepumpe im tiefsten Winter souverän arbeitet oder ob unbemerkt der teure Elektro-Heizstab einspringt, um das Defizit auszugleichen. Dabei geht es nicht darum, einfach ein „größeres“ Gerät einzubauen, sondern das vorhandene System so fein zu justieren, dass es diese Leistung auch punktgenau erbringen kann. Erst diese physikalische Genauigkeit macht das Sparpotenzial zur Realität.


Abschluss-Schleife zu Teil 1: Die richtige Berechnung ist das Fundament, doch was passiert, wenn die Technik dieses Potenzial durch einen „nervösen Herzschlag“ wieder verspielt? Im nächsten Teil schauen wir uns an, warum das ständige An- und Ausschalten Ihrer Heizung – das sogenannte Takten – nicht nur teuer ist, sondern das Leben Ihrer Wärmepumpe massiv verkürzt.





Häufige Fragen (FAQ)


  • Wie erkenne ich, ob der Wasserfluss (Volumenstrom) in meinem Haus ausreicht? Wenn Ihre Wärmepumpe ständig an- und ausgeht (wir nennen das „Takten“) oder einzelne Räume trotz aufgedrehter Ventile kühl bleiben, ist das ein Warnsignal. Eine präzise Diagnose liefert uns hier die Messung der Temperaturdifferenz zwischen Vor- und Rücklauf.

  • Was macht Ihre Real-Berechnung anders als das, was der Heizungsbauer macht? Die übliche Norm nutzt Durchschnittswerte für ganze Postleitzahlengebiete. Diese Real-Berechnung schaut sich Ihre Mikrolage an – zum Beispiel die erhöhte Windlast in den exponierten Lagen der Weinstraße –, die echte Beschaffenheit Ihrer Wände und wie Sie persönlich in Ihrem Haus leben.



Quellen und fachliche Referenzen

  • Fraunhofer ISE: Monitoring-Berichte „WPmonitor“ & „WPsmart“: Dies ist die absolute Standardreferenz. Die Studien belegen, dass Wärmepumpen in Bestandsgebäuden sehr effizient sein können, die Streuung in der Praxis (die Performance-Lücke) aber enorm ist. Sie untermauern deine Aussage, dass das Zusammenspiel im System entscheidend ist.

  • DIN EN 12831-1 (Heizlastberechnung): Diese Norm bildet die Grundlage für die theoretische Berechnung. Du nutzt sie als Referenz, um zu erklären, wo die Standard-Berechnung aufhört und deine standortgenaue Real-Berechnung beginnt.

  • DWD (Deutscher Wetterdienst) – Klimadaten für die Pfalz: Für deine Argumentation zur Mikrolage (Haardtrand, Windlast) ist der Bezug auf regionale Klimadaten essenziell. Diese belegen, dass Durchschnittswerte für Postleitzahlengebiete die thermische Belastung in exponierten Hanglagen oft unterschätzen.

  • IWU (Institut Wohnen und Umwelt): Studien zur energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden, die aufzeigen, dass theoretische Bedarfswerte und tatsächlicher Verbrauch (User-Prebound-Effekt vs. Performance-Gap) oft signifikant voneinander abweichen.


Energieeffizient-Experte - Baupraxis

Finanzökonom

Schwerpunkt Albausanierung


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