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Energetische Sanierung im Altbau: Die optimale Reihenfolge, um Kosten zu sparen und Förderung 2026 zu sichern

  • Autorenbild: Engler
    Engler
  • 12. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Jan.

Die Zeiten, in denen man eine Gasrechnung einfach nur abgeheftet hat, sind endgültig vorbei. Seit Januar 2026 ist es Gewissheit: Der CO₂-Preis von bis zu 65 Euro pro Tonne macht das Heizen mit fossilen Brennstoffen zur finanziellen Belastungsprobe. Was 2021 mit 25 Euro harmlos begann, ist heute eine Steigerung von 160 %. Als Energieberater in Neustadt an der Weinstraße und Finanzökonom sage ich Ihnen: Das ist keine vorübergehende Teuerung, sondern eine geplante Entwertung alter Heizsysteme. Um diesem Dilemma zu entkommen, benötigt Ihr Haus ein Schutzschild. Doch wer jetzt ohne Plan energetisch saniert, verbrennt Kapital. Eine kluge Sanierung folgt einer logischen Abfolge, die bei den größten Schwachstellen der Gebäudehülle beginnt.


Altbau dämmen: Die effiziente Abfolge für maximalen Sofort-Effekt

Der erste Schritt in dieser Abfolge ist das, was ich einen „Sofort-Effekt“ nenne. Die Dämmung der obersten Geschossdecke und der Dämmung der Kellerdecke ist physikalisch der effektivste Hebel. Konservativ gerechnet entweichen bei einem ungedämmten Altbau zwischen 15 % und 25 % der Heizwärme allein über das Dach sowie weitere 5 % bis 10 % über den Keller. Diese Maßnahmen kosten im Vergleich zur Fassade nur wenig, amortisieren sich aber durch die gesparten CO₂-Abgaben in Rekordzeit. Neben der Ersparnis gewinnen Sie den „Wohlfühl-Bonus“, denn Dämmung erhöht die Oberflächentemperatur der Bauteile massiv. Sie fühlen sich bei 20 Grad Raumtemperatur oft wohler als vorher bei 22 Grad – und jedes Grad weniger spart im Durchschnitt weitere 6 % Heizkosten. Wichtig für die staatliche Förderung (BAFA) ist hierbei, dass wir die vorgeschriebenen U-Werte präzise einhalten und die Dokumentation förderkonform erfolgt.


Zwischensparrendämmung im Altbau
Zwischensparrendämmung im Altbau

Dachschrägen dämmen ohne Ziegeltausch: Substanz erhalten statt Kapital vernichten

Wenn Ihr Dachgeschoss bereits als Wohnraum genutzt wird, fällt die einfache Dämmung der Bodendecke weg. In diesem Fall ist Vorsicht geboten: Ich rate dringend davon ab, eine Wärmepumpe in ein Haus mit völlig ungedämmten Dachschrägen einzubauen – die Verluste wären ruinös. Dennoch bin ich der Meinung, dass Dachziegel oft viel zu früh ausgetauscht werden. Ein hochwertiger Tonziegel kann laut Fachregeln des ZVDH 80 bis über 100 Jahre halten. Wenn genug Wohnraumhöhe zur Verfügung steht, lässt sich eine Zwischensparrendämmung mit Mineralwolle inklusive fachgerechter Dampfbremse (basierend auf der vorhandenen Konstruktion) hervorragend von innen ausführen. Alternativ prüfen wir eine Einblasdämmung. So erhalten wir die wertvolle Substanz Ihrer Ziegel und schaffen dennoch die Voraussetzungen für eine effiziente Heizung, ohne unnötig Kapital in neue Eindeckungen zu investieren.


Eine Nahaufnahme eines geneigten Hausdaches, das mit klassischen Biberschwanz-Ziegeln aus rotem Naturton gedeckt ist. Die Ziegel haben die typische, unten abgerundete Form (Rundschnitt), die an das Fell eines Bibers erinnert.
Eine Nahaufnahme eines geneigten Hausdaches, das mit klassischen Biberschwanz-Ziegeln aus rotem Naturton gedeckt ist. Die Ziegel haben die typische, unten abgerundete Form (Rundschnitt), die an das Fell eines Bibers erinnert.

Neue Fenster im Altbau: Warum 3-fach-Verglasung und Innendämmung zusammengehören

Bevor wir über neue Fenster nachdenken, müssen wir mit einem physikalischen Trugschluss aufräumen. Viele Hausbesitzer fürchten, dass moderne Fenster im Altbau zwangsläufig zu Schimmel führen. Dabei ist es für die Bauphysik zweitrangig, ob Sie sich für eine 2-fach- oder eine 3-fach-Verglasung entscheiden. Beide Systeme sind heute gleichermaßen luftdicht. Das eigentliche Risiko entsteht, wenn das neue Fenster plötzlich besser dämmt als die ungedämmte Wand: Die Wand bleibt dann der kälteste Punkt im Raum. Die Luftfeuchtigkeit kondensiert nicht mehr sichtbar an der Scheibe, sondern unsichtbar in der Wandecke. Deshalb bereiten wir das System vor, indem wir die Fensterlaibungen mit kapillaraktiven Innendämmplatten versehen, ohne die Proportionen des Fensters zu verfälschen. Erst diese thermische Trennung macht den Einbau moderner Fenster sicher. Da das Haus dadurch dichter wird, erstellen wir im gleichen Zuge ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6, um die Bausubstanz dauerhaft zu schützen.


Ehrlichkeit bei der Fassade: Wirtschaftlichkeit vor Ideologie

Doch was ist mit der Fassade? Hier ziehe ich als unabhängiger Berater meine Ehrlichkeit-Klausel: Einem intakten Außenputz einfach Dämmplatten „überzuhelfen“, ist oft wirtschaftlicher Wahnsinn. Amortisationszeiten von 30 bis 50 Jahren vernichten Kapital, statt es zu vermehren. Wenn hier die Heizung getauscht werden muss, treffen wir uns strategisch in der Mitte: Wir optimieren die Heizflächen im Innenraum, um die Vorlauftemperatur zu senken. Die neue Wärmepumpe wählen wir als modulierende Anlage. Das bedeutet: Wie bei einem Dimmer passt sie ihre Leistung an – kraftvoll genug für die ungedämmte Wand heute, aber flexibel genug, um sich nach einer späteren Sanierung einfach dauerhaft herunterzuregeln.


Fazit: Warum ein iSFP (individueller Sanierungsfahrplan) der beste Start ist

Wer ohne diese Weitsicht saniert, zahlt am Ende doppelt. Eine überdimensionierte Anlage verschleißt durch ständiges An- und Ausschalten („Takten“); eine zu kleine Anlage lässt die Stromrechnung durch den Einsatz von Heizstäben explodieren. Da die Effizienz einer Wärmepumpe pro Grad Vorlauftemperatur um etwa 2,5 % sinkt, ist die exakte Abstimmung überlebenswichtig. Meine Aufgabe ist hier die energetische Punktlandung. Wir nutzen die Real-Berechnung für die Strategie und sichern die Umsetzung durch eine präzise Heizlastberechnung und den hydraulischen Abgleich ab. So erhalten Sie keine Schätzungen, sondern belegte Sicherheit für Ihre Investition und Ihren individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) (dieser wird nach den vorgegebenen Norm-Berechnungen erstellt) inklusive der maximalen BAFA-Fördersätze.


FAQ: Häufige Fragen zur Altbausanierung & Förderung

  • Was kostet eine energetische Sanierung im Altbau 2026?

    Die Kosten sind individuell, starten aber oft bei ca. 50–100 € pro m² für einfache Dämmmaßnahmen (Keller/Dachboden) und können bei Komplettsanierungen deutlich steigen. Durch BAFA-Förderungen und den iSFP-Bonus lassen sich die Investitionskosten jedoch signifikant senken.


  • Ist eine Wärmepumpe im Altbau ohne Fassadendämmung sinnvoll?

    Ja, wenn Dach, Keller und Heizflächen optimiert sind und eine modulierende Wärmepumpe eingesetzt wird. Eine Fassadendämmung ist ökonomisch oft nicht die erste Maßnahme, sofern die restliche Hülle und die Vorlauftemperaturen stimmen.


  • Muss man beim Altbau erst dämmen und dann die Heizung tauschen? Idealerweise ja, um die Heizlast zu senken. Mit modernen, modulierenden Anlagen und einer gezielten Heizflächenoptimierung gibt es jedoch wirtschaftliche Zwischenwege, die auch ohne sofortige Voll-Dämmung funktionieren.


Falls Sie unsicher sind, ob Ihr Gebäude bereits heute für eine reine Wärmepumpe bereit ist, oder wenn Sie eine schrittweise Umstellung bevorzugen, könnte eine kombinierte Lösung sinnvoll sein.

Erfahren Sie hier mehr über die Vor- und Nachteile sowie die Einsatzgebiete einer Hybridheizung im Altbau.


Fachlicher Quellennachweis für Ihre Planung:

  • Gesetz: GEG, BEHG § 10 Abs. 2 (CO₂-Preis-Entwicklung bis 2026).

  • Technik: Fraunhofer ISE (WPmonitor – Effizienzstudien Wärmepumpe).

  • Bauphysik: DIN 4108-2 (Mindestwärmeschutz) & DIN 1946-6 (Lüftungskonzepte).

  • Verbände: ZVDH (Lebensdauer von Tondachziegeln).



Autor: Diethelm Engler

Energieeffizient-Experte - Baupraxis

Finanzökonom

Schwerpunkt Albausanierung


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