Die Wärmepumpen-Falle? Warum Ihre Heizkörper oft besser sind als ihr Ruf
- Engler

- 1. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Jan.
Es ist eines der hartnäckigsten Vorurteile bei der Sanierung: Eine Wärmepumpe im Altbau funktioniere ohne Fußbodenheizung nicht. Doch wer das behauptet, arbeitet oft mit veralteten Faustformeln statt mit moderner Physik. In dieser ersten Ausgabe von „Altbau-Einsichten“ schauen wir uns an, wie die Wärme in Ihrem Haus wirklich fließt. Ihr Gebäude funktioniert im Grunde wie ein Sparkonto: Die Heizung zahlt Wärme ein, und die Wände oder Fenster heben sie ungewollt wieder ab.
Die Effizienz Ihrer Wärmepumpe hängt maßgeblich davon ab, wie mühsam dieses „Einzahlen“ ist. Ihr Ziel für einen wirtschaftlichen Betrieb sollte eine Vorlauftemperatur von maximal 55 °C am statistisch kältesten Tag des Jahres (Normaußentemperatur) sein. In vielen Gebäuden aus den 70er- bis 90er-Jahren wurden die Heizkörper ursprünglich für extrem hohe Temperaturen (75/65 °C oder gar 90/70 °C) ausgelegt. Da Sie aber vielleicht schon Fenster getauscht oder die Decken gedämmt haben, verliert Ihr Haus heute viel langsamer Wärme.

Dadurch sind Ihre alten Heizflächen im Verhältnis zum heutigen Bedarf oft deutlich überdimensioniert. Diese Reserve ist Ihr größter technischer Vorteil: Ein großer Heizkörper kann bei niedriger Temperatur genauso viel behagliche Wärme abgeben wie ein kleiner bei kochend heißem Wasser. Das gilt auch für die oft unterschätzten gusseisernen Heizkörper. Sie wirken durch ihre Masse stabilisierend auf das System. Wichtig ist hierbei eine fachgerechte Einbindung mit Schlamm- und Magnetitabscheider, um die moderne Technik vor alten Ablagerungen zu schützen.
Um diese Theorie für Ihr Objekt in die Praxis umzusetzen, reicht eine grobe Schätzung nicht aus. Ein häufiger Fehler ist der Rückgriff auf pauschale Energieberichte, die gesetzlich vorgeschrieben oft mit dem Standardklima von Potsdam rechnen. Für die technische Auslegung Ihrer Heizung ist das unzureichend, da es vor Ort zu einer teuren Überdimensionierung führt. Deshalb setzen wir auf die regionale Realität. Vergleichen Sie den dortigen Wert für Ihre PLZ mit dem Standardwert von -10°C (Potsdam). Jedes Grad Unterschied spart Ihnen bares Geld bei der Anschaffung der Anlage.

Vergleichen Sie den dortigen Wert für Ihre PLZ mit dem Standardwert von -10°C (Potsdam). Jedes Grad Unterschied spart Ihnen bares Geld bei der Anschaffung der Anlage.[ Link: Prüfen Sie hier: Ist Ihre Gebäudehülle bereits fit für die Wärmepumpe?]
Damit die Wärme aber auch dort ankommt, wo sie benötigt wird, ist der hydraulische Abgleich unverzichtbar. Man kann sich das wie das Mischen einer Schorle beim Weinfest vorstellen: Wenn der erste Gast am Tisch sein Dubbeglas bis zum Rand vollknallt, bleibt für den Gast am Ende des Tisches nur ein winziger Schluck übrig. Ohne Abgleich „säuft“ der erste Heizkörper das ganze warme Wasser weg, während es in den hinteren Zimmern kalt bleibt. Meine Aufgabe ist es, diesen Fluss so zu steuern, dass jeder Raum exakt sein Maß bekommt – effizient und ohne störende Fließgeräusche.
Die Entscheidung für eine Fußbodenheizung ist natürlich nicht nur Physik. Das Plus an Wohnqualität durch Strahlungswärme ist ein Komfortgewinn. Doch man muss ehrlich sein: Neben Kosten zwischen 150 und 250 Euro pro Quadratmeter bedeutet eine Nachrüstung oft wochenlangen Baustaub. Als Finanzökonom mache ich Ihnen diesen Luxuswert transparent: Es ist der Preis für das persönliche „Barfuß-Gefühl“.
Wenn Sie mit einem begrenzten Budget das Maximum an Klimaschutz und Heizkostensenkung herausholen wollen, müssen Sie die Opportunitätskosten im Blick behalten. Das gesparte Kapital aus einem Verzicht auf die Flächenheizung erzielt in einer Photovoltaik-Anlage oder einer Kellerdeckendämmung oft eine weitaus höhere Rendite. Die Wärmepumpe im Altbau ist somit kein technisches Wagnis, sondern eine mathematische Optimierungsaufgabe. Wenn Sie nachrechnen und die regionale Realität nutzen, sanieren Sie mit Verstand und Pfälzer Pragmatismus.
Mein Fazit als unabhängiger Energieberater, Finanzökonom und Praktiker: Physik lässt sich nicht wegdiskutieren, aber klug nutzen. Als Ihr Berater sorge ich für die datenbasierte Planung, die Ihrem Heizungsbauer die nötige Sicherheit gibt und Sie vor unnötig teuren Baustellen bewahrt. Mein Ziel sind Lösungen, die sich für Ihren Geldbeutel und die Umwelt wirklich rechnen.
Die neuen EU-Klassen zielen langfristig auf den Abschied von Öl und Gas ab. Das rückt die Wärmepumpe ins Rampenlicht – doch genau hier entsteht die größte Verunsicherung: Muss ich für eine Wärmepumpe zwingend mein ganzes Haus aufreißen und eine Fußbodenheizung nachrüsten? Die Antwort ist oft viel pragmatischer, als man denkt. Warum Ihre alten Heizkörper oft besser sind als ihr Ruf und wie Sie den 'Wärmepumpen-Check' machen, lesen Sie hier: [Wärmepumpe im Altbau: Reichen meine alten Heizkörper aus?].
Autor: Diethelm Engler
Energieeffizient-Experte - Baupraxis
Schwerpunkt Albausanierung



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