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Innendämmung im Altbau: Warum Sie Ihr Sandsteinhaus nicht „einpacken“ dürfen

  • Autorenbild: Engler
    Engler
  • 31. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 13. Jan.

Ich schreibe Ihnen diese Zeilen nicht nur als Energieberater und Finanzökonom, sondern auch als Eigentümer eines Sandsteingebäudes von ca. 1825. Ich liebe das Raumklima dieser alten Mauern, doch was ich Ihnen sagen kann: Die Innendämmung ist eine Operation am offenen Herzen und birgt viele Risiken. Wer hier falsch plant oder wählt, gefährdet die Bausubstanz und das Wohlfühlklima seines Eigentums.


Sansteinhaus-Fassade-Innendämmung
Sansteinhaus-Fassade-Innendämmung

Die Physik: Warum „Dichtmachen“ gefährlich ist

Im Volksmund heißt es oft: „Das Haus muss atmen können.“ Physikalisch meint das die Fähigkeit der Wand, Feuchtigkeit aufzunehmen und abzugeben. Stellen Sie sich einen nassen Schwamm vor, den Sie in eine Plastiktüte stecken: Das Wasser wird eingesperrt und es beginnt zu modern. Genau das passiert bei einer falschen Innendämmung an der Außenwand, wenn diese luftdicht verschlossen wird.

Besonders die „schnelle“ Sanierung mit Trockenbau (Mineralwolle und OSB oder Dampfsperre) ist ein Risiko; hier muss zwingend auf fachmännische Umsetzung und absolute Luftdichtheit geachtet werden. Jede Schraube, die Sie für ein Regal eindrehen, und jede nicht luftdicht eingebaute Steckdose wirkt wie ein Leck in einer Staumauer. Feuchte Luft zieht hinter die Dämmung, kondensiert am eiskalten Stein und lässt die Wand unbemerkt absaufen. Dieses System ist meist bei Innenwänden oder anschließendem Mauerwerk (z. B. bei einem Reihenhaus) unproblematisch.


Die sichere Strategie: Kapillaraktivität und Systemtreue

Die Lösung sind kapillaraktive Materialien wie Holzfaser, Kalziumsilikat oder Mineraldämmplatten. Diese „leiten“ Feuchtigkeit aktiv, statt sie einzusperren. Doch Vorsicht: Diese Systeme verzeihen kaum Hohlräume. Die Wand muss zuerst mit einem Kalk-Ausgleichsputz glatt gestrichen werden, damit die Dämmung vollflächig Kontakt zum Stein hat.

Diese Materialien sind spröde. Mal eben einen Nagel für ein schweres Bild einzuschlagen, ist nicht mehr möglich – es erfordert Planung und Spezialdübel. Aber: Es gibt keine Folie, die durch ein Loch zerstört werden kann. Das ist bautechnisch die sicherere Wahl für Ihren Werterhalt und sollte bei Außenwänden stets die erste Wahl sein.


Die roten Linien: Tragsicherheit und Werterhalt

Eine Innendämmung verändert die thermische Bilanz Ihres Hauses massiv. Ohne Detailplanung von Wärmebrücken (z. B. durch Dämmkeile an Deckenanschlüssen) riskieren Sie, dass Balkenköpfe im kalten Mauerwerk wegfaulen. Wenn zudem Feuchtigkeit aus dem Boden aufsteigt, ist jede Dämmung reine Kapitalvernichtung. Zuerst muss eine <u>funktionierende Horizontalsperre</u> stehen, bevor wir über energetische Maßnahmen sprechen.

Die Chance: Wirtschaftlichkeit und Wärmepumpe

Trotz der Risiken ist die Innendämmung eine großartige Möglichkeit, die Fassaden unserer schönen Häuser fit für die Zukunft zu machen. Da wir nicht mehr tonnenweise Außenmauerwerk mit aufheizen müssen, bleibt die Wärme direkt im Raum. Das senkt die Vorlauftemperatur massiv und macht Ihr Haus bereit für eine effiziente Wermepumpe.

Beachten Sie bei der Umsetzung: Eigenleistungen lassen sich nur fördern (BAFA/KfW), wenn die fachgerechte Ausführung durch einen zertifizierten Energieberater abgenommen wird. So wird aus der Sanierung ein echter, staatlich gestützter Werterhalt.



FAQ: Drei schnelle Fragen zur Innendämmung

1. Kann ich Regale an einer kapillaraktiven Innendämmung befestigen? Ja, aber nicht mit einem einfachen Nagel. Da Materialien wie Kalziumsilikat spröde sind, benötigen Sie spezielle Injektionsdübel oder müssen schwere Lasten direkt im massiven Mauerwerk verankern. Eine Vorplanung der Lastpunkte ist hier dringend ratsam.


2. Warum ist Trockenbau an der Außenwand so riskant? Weil das System auf 100 % Luftdichtheit angewiesen ist. Jede undichte Steckdose oder jedes später gebohrte Loch lässt feuchte Zimmerluft hinter die Dämmung strömen. Da die Feuchtigkeit dort nicht abgeführt werden kann, drohen Schimmel und Schäden an Balkenköpfen.


3. Bekomme ich Förderung, wenn ich die Dämmung selbst einbaue? Ja, die Materialkosten sind förderfähig. Voraussetzung ist jedoch, dass ein zertifizierter Energieberater die fachgerechte Planung und Ausführung prüft und offiziell gegenüber der BAFA oder KfW bestätigt.



Quellen und Grundlagen

  • GEG: Gebäudeenergiegesetz (aktuelle Fassung), Anforderungen an den Wärmeschutz von Bestandsgebäuden.

  • WTA-Merkblatt 6-4: Innendämmung nach WTA I: Planungsleitfaden (Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege).

  • DIN 4108-3: Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden – Teil 3: Klimabedingter Feuchteschutz.

  • BAFA / KfW: Richtlinien zur Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), Anforderungen an Eigenleistungen und die Einbindung von Energieeffizienz-Experten.


Autor: Diethelm Engler

Energieeffizient-Experte - Baupraxis

Finanzökonom

Schwerpunkt Albausanierung


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