Wärmepumpe im Altbau: Warum Innendämmung über Effizienz oder Fehlinvestition entscheidet
- Engler

- 1. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Wer in der Pfalz ein historisches Sandsteinhaus oder ein Fachwerkobjekt auf eine Wärmepumpe umstellen möchte, hört oft: „Das funktioniert im Altbau nicht.“ Als Energieberater und Finanzökonom sage ich Ihnen: Es funktioniert hervorragend – wenn man aufhört, nach dem Prinzip Hoffnung zu sanieren.
Der Schlüssel zur effizienten Wärmepumpe liegt in der Wand. Doch wer hier ohne Systemverständnis einfach nur Innendämmung klebt, saniert sein Haus nicht – er macht es krank.
Die Wärmepumpen-Gleichung: Erst messen, dann dimensionieren
Die größte Angst vieler Hausbesitzer ist die Stromrechnung. Eine Wärmepumpe wird dann zum „Groschengrab“, wenn sie zu groß dimensioniert ist oder mit zu hohen Vorlauftemperaturen arbeiten muss. Eine fachgerechte Innendämmung zwischen 8 und 12 cm reduziert die Heizlast der Außenwände massiv.
Der messbare Vorteil: Statt einer teuren 12-kW-Wärmepumpe reicht nach einer klugen Sanierung oft ein effizienteres 7-kW-Gerät. Das spart bereits bei der Anschaffung ca. 2.000 € bis 3.000 €. Zudem arbeitet die kleinere Anlage in einem optimalen Bereich, was die Lebensdauer erhöht und den Stromverbrauch senkt.

Zwischenfazit: Ohne Innendämmung bleibt die Wärmepumpe im Altbau ein Hochtemperatursystem – mit allen Effizienznachteilen. Die Frage ist also nicht ob, sondern wie gedämmt wird.
Deep-Dive: Warum Sandstein den „Kapillar-Motor“ braucht
Ein Sandsteinbau ist ein lebendiges System. Er nimmt Feuchtigkeit von außen auf (Schlagregen) und gibt sie wieder ab. Wenn wir eine Innendämmung anbringen, unterbrechen wir das Austrocknen nach innen. Eine konventionelle Dämmung mit Dampfsperre würde hier zum Desaster führen: Die Feuchtigkeit staut sich zwischen Dämmung und Stein, der Frost sprengt im Winter die Fassade ab oder das Fachwerk fault unbemerkt.
Wir nutzen daher kapillaroffene Systeme (z.B. Holzfaser oder Kalziumsilikat). Diese Materialien wirken wie ein „Löschpapier“. Sie ziehen die Feuchtigkeit aus der Wand und transportieren sie durch die Kapillarkräfte an die Wandoberfläche, wo sie verdunsten kann. Dieser aktive Feuchtetransport ist die Lebensversicherung für Ihren Altbau.
Das Kachelofen-Prinzip: Wandheizung als Effizienz-Turbo
Um die Vorlauftemperatur der Wärmepumpe so niedrig wie möglich zu halten (idealerweise unter 35 °C), ist die Wandheizung das ideale System. Sie wird direkt im Putz auf der Dämmung verlegt.
Das Ergebnis ist vergleichbar mit einem unsichtbaren Kachelofen. Die Wand strahlt eine tiefe Behaglichkeit ab, die den ganzen Raum durchdringt. Eine warme Wand ist zudem eine trockene Wand. Da die Strahlungswärme effektiver wirkt, kann die Dämmung hier oft schlanker ausfallen, was wertvolle Quadratmeter Wohnfläche rettet.
Die „Hydraulik-Hürde“: Warum alte Rohre oft bremsen
Ein Punkt, den viele übersehen: Wärmepumpen brauchen „Durchfluss“. Während alte Ölheizungen mit wenig Wasser, aber hohen Temperaturen arbeiteten, muss eine Wärmepumpe große Wassermengen (Volumenstrom) bewegen. Die alten, dünnen Rohrleitungen zu den Heizkörpern wirken oft wie ein Nadelöhr. Die Folge: Die Wärmepumpe bekommt ihre Wärme nicht weg und schaltet ständig ab („Takten“). Bei der Installation einer Wandheizung verlegen wir gleichzeitig ein modernes, großzügig dimensioniertes Rohrnetz. Damit lösen wir das Hydraulik-Problem an der Wurzel.
Die Kapital-Variante: Wärmepumpe mit vorhandenen Heizkörpern
Natürlich ist die Beibehaltung der Heizkörper oft die kostengünstigste Einstiegsvariante als einmalige Investition. Doch man muss ehrlich sein: Es ist ein physikalischer Kompromiss.
Besonders kritisch sind alte Heizkörpernischen. Um diese energetischen Löcher zu schließen, sollten sie bündig Dämmsteinen und Dämmstoff ausgefüllt werden. Die Konsequenz ist ungeschönt: Der Heizkörper wandert massiv in den Raum. Rechnet man Dämmung, Montageabstand und Heizkörperdicke zusammen, ragt das System bis zu 25 cm in das Zimmer. Bei Pfälzer Quadratmeterpreisen von 3.500 €/m² vernichtet dieser Flächenverlust schnell einen fünfstelligen Betrag an Immobilienwert.

Hinweis: Diese Rechnung ist kein pauschales Argument gegen Heizkörper, sondern verdeutlicht die oft unterschätzten, langfristigen „Raumkosten“, die man gegen die geringeren Investitionskosten abwägen muss.
FAQ – Die 3 wichtigsten Fragen zur Umsetzung
1. Reichen 8 cm Innendämmung wirklich aus, um eine Wärmepumpe effizient zu betreiben? Ja, der Sprung von der ungedämmten Wand zu einer 8-cm-Dämmung ist der größte Hebeleffekt. Die Wärmeverluste sinken um rund 60-70 %. Weitere Zentimeter bringen physikalisch immer kleinere Gewinne, erhöhen aber das Feuchterisiko überproportional.
2. Warum ist die Real-Berechnung wichtiger als der offizielle Energieausweis? Der Energieausweis arbeitet mit Pauschalwerten. Er kennt Ihren Sandstein nicht. Eine Real-Berechnung (hygrothermische Simulation) berechnet den tatsächlichen Feuchteverlauf über Jahre hinweg. Nur so verhindern wir, dass der Taupunkt Ihre Bausubstanz zerstört.
3. Kann ich eine Wandheizung auch nur an einzelnen Wänden nachrüsten? Ja, das ist oft klug. Man dämmt und beheizt primär die Außenwände. Dadurch wird die „Strahlungshülle“ geschlossen und die Vorlauftemperatur sinkt bereits signifikant.
Quellen & Belege
DIN EN 15026 & DIN 12831: Simulation von Feuchtetransport und Heizlast.
WTA-Merkblätter 6-4/6-5: Fachregeln für Innendämmung im Bestand und Fachwerk.
Fraunhofer IBP: Studien zur Wirksamkeit von Wandtemperierungssystemen.
Regionale Marktdaten: Marktübliche Werte für Immobilien und Heiztechnik in der Vorderpfalz.
Autor: Diethelm Engler
Energieeffizient-Experte - Baupraxis
Finanzökonom
Schwerpunkt Albausanierung



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