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Innendämmung im Altbau: Warum ich lieber ein paar Zentimeter weniger dämme

Autorenbild: Engler
Engler
11. Okt.
8 Min. Lesezeit

„Wie dick muss die Innendämmung sein?“ Diese Frage höre ich von fast jedem Eigentümer, der seine Außenwände von innen dämmen möchte oder muss. Meist steht dahinter die Erwartung, dass mehr Dämmung auch mehr bringt. Meine Antwort überrascht deshalb viele: dünner, als Sie denken.


In meinem eigenen Sandsteinhaus von ca. 1825 habe ich mir bei jeder Außenwand zuerst eine andere Frage gestellt: Wie viel Dämmung verträgt diese Wand? Wie viel technisch möglich wäre, kam erst nach meiner Bestandsaufnahme.


In meinem ersten Beitrag zur Innendämmung ging es darum, was bei einer falschen Ausführung schiefgehen kann. Dieser Beitrag geht einen Schritt weiter und zeigt, wie ich eine Innendämmung plane, ob im Sandsteinhaus am Haardtrand, im Fachwerkhaus in einem Weindorf oder in den Häusern  aus den Fünfzigern.


4, 6 oder 8 cm Innendämmung: Wie viel bringt die Dämmstärke wirklich?


Der Wärmeverlust einer Wand sinkt mit zunehmender Dämmstärke nicht gleichmäßig. Die ersten Zentimeter bringen den größten Teil der Wirkung, danach flacht der Nutzen schnell ab. Am stärksten zeigt sich das beim Sandstein, weil er Wärme deutlich besser leitet als Ziegel.


Wie stark der Nutzen abflacht, zeigt eine vereinfachte Rechnung für eine 50 Zentimeter dicke Sandsteinwand mit kapillaraktiver Dämmplatte. Ungedämmt liegt ihr U-Wert bei etwa 2,3 W/(m²K). Mit vier Zentimetern Dämmung sinkt er auf rund 0,90, mit sechs Zentimetern auf rund 0,69 und mit acht Zentimetern auf rund 0,56. Die ersten vier Zentimeter nehmen also schon rund 60 Prozent des Wärmeverlusts weg, die nächsten vier bringen nur noch etwa 15 Prozentpunkte dazu. Gerechnet habe ich mit einer Wärmeleitfähigkeit des Sandsteins von 2,0 W/(mK), Kalkputz innen und einer Dämmplatte mit 0,06 W/(mK), ohne Wärmebrücken. Bei Bims oder Hohlblock ist der Effekt kleiner, die Kurve flacht aber genauso ab.


Auf dem Papier sieht eine dickere Dämmung immer besser aus. In der Heizkostenabrechnung macht der Unterschied zwischen moderater und dicker Innendämmung deutlich weniger aus, als viele erwarten. Die Risiken für die Wand steigen dagegen mit jedem Zentimeter.


Je dicker die Dämmung, desto kälter die Wand dahinter


Eine Innendämmung hält die Wärme im Raum. Das Mauerwerk dahinter bekommt weniger davon ab und wird im Winter kälter. Mit jeder zusätzlichen Schicht sinkt die Temperatur in der Grenzschicht zwischen Dämmung und Wand. Die Feuchte dort steigt, und die Wand trocknet langsamer aus. Gleichzeitig rückt die Frostgrenze im Mauerwerk näher an die Dämmung heran. Ist der Stein feucht und frostempfindlich, steigt das Risiko für Frostschäden.


Gefährdet ist vor allem Holz in der Außenwand. Bei Sandsteinhäusern sind das die Balkenköpfe, beim Fachwerk die gesamte Tragkonstruktion. Bisher hat die Raumwärme dieses Holz mit temperiert und trocken gehalten.


Bei einer klassischen Außenwand aus Bruchstein oder behauenem Sandstein mit 50 bis 55 Zentimetern sind rund sechs Zentimeter kapillaraktive Dämmung für mich der übliche Ausgangspunkt. Mit dieser Stärke habe ich gute Erfahrungen gemacht, und der Raum wird spürbar behaglicher. Eine sichere Stärke für jedes Haus ist sie trotzdem nicht. Ob sie passt, hängt von Schlagregen, vorhandener Feuchte, der Ausbildung der Balkenköpfe und dem Dämmstoff ab. Ein Restrisiko bleibt immer, denn den Zustand eines Balkenkopfs sieht man von innen nicht.


Bei großen Flächen, Wetterseiten oder unklarem Wandaufbau sollte man die passende Stärke mit einer hygrothermischen Simulation prüfen, etwa mit WUFI. Das vereinfachte Glaser-Verfahren bildet kapillaraktive Dämmsysteme nicht realistisch ab.


 Innendämmung im Altbau – Holzbalkenköpfe im Sandsteinmauerwerk
 Innendämmung im Altbau – Holzbalkenköpfe im Sandsteinmauerwerk

Was je nach Haus anders ist


Sandsteinhaus: Dicke Wände mit hoher Wärmeleitfähigkeit, dazu Holzbalkendecken, deren Köpfe im Mauerwerk liegen. Die Innendämmung bringt hier viel, die Balkenköpfe setzen ihr aber eine Grenze.


Bevor innen gedämmt wird, muss die Wand außen dicht genug sein. Offene Fugen werden geschlossen, beim Sandstein mit Kalkmörtel und nicht mit Zement. An stark beanspruchten Wetterseiten kann zusätzlich eine hydrophobierende Behandlung sinnvoll sein, damit der Stein weniger Schlagregen aufsaugt. Das entscheide ich erst nach einer Prüfung des Steins, denn auf feuchtem oder salzbelastetem Mauerwerk kann eine Hydrophobierung mehr schaden als nützen.


Ein zweiter Feuchteweg kommt von unten, gerade bei Häusern ohne Keller. Bevor ich über eine Innendämmung spreche, prüfe ich deshalb den Sockelbereich und kläre die Ursache der Feuchte. Das kann aufsteigende Feuchte sein, aber auch Spritzwasser oder ein dichter Zementputz am Sockel. Erst wenn die Ursache beseitigt ist, kommt die Innendämmung. Warum beides nicht zusammenpasst, habe ich in meinem ersten Beitrag zur Innendämmung beschrieben.


Fachwerkhaus: Hier ist die Wand selbst zum großen Teil Holz. Zwischen Balken und Gefach entstehen mit der Zeit Fugen, durch die Schlagregen eindringt. Diese Feuchtigkeit muss nach innen austrocknen können. Deshalb setze ich beim Fachwerk bevorzugt dünne, kapillaraktive und diffusionsoffene Aufbauten ein, etwa Holzfaser oder Lehm. Andere Systeme sind möglich, brauchen aber einen sauberen Nachweis. Sichtfachwerk an der Wetterseite ist der heikelste Fall, den ich kenne.


Nachkriegsbau: Bei Bims, Hohlblock oder Ziegel ist die Außendämmung meist die bessere Lösung. Innen dämme ich nur, wenn außen nicht möglich ist, etwa bei Grenzbebauung, in einer Eigentümergemeinschaft oder bei einer erhaltenswerten Fassade. Schwachstellen sind dann die einbindenden Decken und Innenwände sowie Wasserleitungen in der Außenwand, die nach der Dämmung im kalten Bereich liegen.


Wenn es doch die Ständerkonstruktion sein soll


Eine Vorsatzschale aus Ständerwerk mit Dampfbremse ist schneller gebaut und oft günstiger als ein kapillaraktives System. Ich setze sie vor allem dort ein, wo das Risiko überschaubar ist, etwa an Wänden zum beheizten Nachbarhaus. Sie hat einen praktischen Vorteil: Regale, Hängeschränke und schwere Bilder lassen sich einfach verschrauben, während kapillaraktive Platten dafür Spezialdübel oder eine Befestigung im Mauerwerk brauchen.


Das System steht und fällt mit der Luftdichtheit. Die Dämmung sollte möglichst hohlraumfrei an der Wand anliegen, denn durch jedes Leck kann warme Raumluft an die kalte Wand gelangen und dort unbemerkt kondensieren. Wird OSB als dampfbremsende Schicht verwendet, müssen alle Stöße und Anschlüsse luftdicht verklebt werden. Welche Dampfbremse zum Wandaufbau passt, muss nachgewiesen werden. Entscheidend ist außerdem eine eigene Installationsebene vor der luftdichten Schicht, damit weder Steckdosen noch Schrauben die Dampfbremse durchstoßen.


Die Fensterlaibung entscheidet


Wenn ich ein Haus begehe, schaue ich zuerst in die Fensterlaibungen. Dort sehe ich Wandstärke und Aufbau, und dort entscheidet sich auch, ob eine Innendämmung funktioniert.


Ist die Wand gedämmt und die Laibung nicht, sucht sich die Wärme den kürzesten Weg nach außen, und der führt durch die Wand rund ums Fenster. Die Oberfläche kühlt aus, in der Ecke zwischen Rahmen und Laibung schlägt sich Feuchtigkeit nieder, und dort beginnt der Schimmel. Eine Wand mit Innendämmung und ungedämmter Laibung kann an dieser Stelle ungünstiger dastehen als vorher.


Die Laibungsdämmung gehört deshalb immer dazu, und zwar rundum. Der obere Bereich über dem Fenster wird gern vergessen, weil Sturz und Rollladenkasten den Anschluss erschweren. Gerade dort kühlt die Oberfläche aber besonders aus. Die Laibung darf dünner gedämmt werden als die Wandfläche, sie sollte nur an keiner Seite fehlen.


In vielen Altbaufenstern fehlt dafür allerdings der Platz. Der Rahmen sitzt so dicht an der Laibung, dass schon eine dünne Platte den Flügel blockiert oder ins Glas ragt.


Das Fenster bewusst etwas kleiner planen


Steht ohnehin ein Fenstertausch an, ist das der richtige Moment. Ich plane das neue Fenster dann so, dass in der Laibung Platz für die Dämmung bleibt, zum Beispiel über einen breiteren Rahmen oder eine Blendrahmenverbreiterung. Die Maueröffnung, beim Sandsteinhaus das Gewände, bleibt unangetastet.


Ich weiß, dass es vielen Eigentümern schwerfällt, auf Glasfläche zu verzichten. Trotzdem rate ich immer dazu, das Fenster ein paar Zentimeter kleiner zu wählen, damit die Laibung optimal gedämmt werden kann. Wo der Platz trotzdem knapp bleibt, kommen Laibungsplatten mit besonders geringer Wärmeleitfähigkeit oder eine veränderte Einbauposition des Fensters infrage. Der Verlust an Tageslicht ist gering, der Gewinn an Sicherheit für die Wand dagegen dauerhaft.


Wer Fenster und Innendämmung getrennt plant, verschenkt diese Chance. Ein neues Fenster ohne Platz für die Laibungsdämmung legt die Schwachstelle für die nächsten Jahrzehnte fest. Wenn bei Ihnen ein Fenstertausch ansteht, schaue ich mir die Laibungen gern vor der Bestellung an.


Innendämmung nie allein planen


Eine Innendämmung trifft an jeder Kante auf ein anderes Bauteil: unten auf die Kellerdecke oder den Fußboden, oben auf die oberste Geschossdecke oder das Dach, seitlich auf die Fenster. An diesen Übergängen entscheidet sich, ob das Ganze funktioniert. Wer nur die Wand dämmt und die Anschlüsse dem Zufall überlässt, verschiebt die kalten Stellen nur an einen anderen Ort.


Für mich ist das wie bei einem guten Konzert: Es klingt erst, wenn alle Instrumente zusammenspielen. Fenstertausch, Kellerdeckendämmung, Dämmung der obersten Geschossdecke oder des Daches und die Innendämmung gehören in einen gemeinsamen Plan, ebenso ein Lüftungskonzept, weil das Haus dadurch dichter wird. Die Maßnahmen müssen nicht im selben Jahr kommen. Aber Reihenfolge und Anschlüsse sollten feststehen, bevor die erste Platte an der Wand sitzt. Genau dafür ist ein Sanierungsfahrplan da.


Was die Förderung dazu sagt


Die Technischen Mindestanforderungen der BEG Einzelmaßnahmen verlangen für eine gedämmte Außenwand einen U-Wert von höchstens 0,20 W/(m²K). Erleichterte Werte gelten für Baudenkmale und sonstige besonders erhaltenswerte Bausubstanz (0,45 W/(m²K)) sowie für Außenwände mit Sichtfachwerk (0,65 W/(m²K)).


Beim Sichtfachwerk passt das zusammen: Der Wert von 0,65 ist mit einer moderaten, bauphysikalisch vernünftigen Dämmstärke erreichbar. Hier lohnt sich der Förderantrag in der Regel. Für verputztes Fachwerk gilt dieser Sonderwert nicht.


Beim gewöhnlichen Sandsteinhaus, beim verputzten Fachwerk und beim Nachkriegsbau sieht es anders aus. Für den Regelwert von 0,20 bräuchte die Sandsteinwand aus der Rechnung oben mit der kapillaraktiven Platte rund 27 Zentimeter Dämmung, mit Holzfaser immer noch rund 18 Zentimeter. Das sind Stärken, die ich aus den genannten Gründen nicht empfehle. Mit Hochleistungsdämmstoffen geht es dünner, diese sind aber teuer und brauchen meist ein anderes Feuchteschutzkonzept. Wie weit man im Einzelfall kommt, hängt von der Bestandswand und dem gewählten System ab.


Meine Konsequenz: Ich plane die Innendämmung nach der Bauphysik und prüfe erst danach, ob eine Förderung erreichbar ist. Wenn nicht, ist eine gut ausgeführte Innendämmung in moderater Stärke ohne Zuschuss oft die wirtschaftlichere Entscheidung. Warum ich manchmal bewusst ohne Förderung plane, habe ich in einem eigenen Beitrag beschrieben.


Mein Fazit


Bei der Innendämmung im Altbau ist die richtige Stärke wichtiger als die maximale. Die ersten Zentimeter bringen den größten Teil der Wirkung, eine rundum gedämmte Laibung schützt die schwächste Stelle, und Fenster, Decken und Dach gehören in denselben Plan.


Jedes Haus ist anders. Ob es am Ende vier, sechs oder acht Zentimeter werden, hängt von der Wetterseite, der Feuchte im Mauerwerk, den Balkenköpfen und den Fensteranschlüssen ab. Deshalb beginnt eine gute Innendämmung bei mir mit dem Blick auf das Gebäude. Der Dämmstoff kommt danach.


Sie überlegen, Ihr Sandsteinhaus, Fachwerkhaus oder Siedlungshaus von innen zu dämmen, oder ein Fenstertausch steht an? Sprechen Sie mich an, bevor die Fenster bestellt sind. Ich schaue mir Laibungen und Wandaufbau vor Ort an und sage Ihnen ehrlich, welche Dämmstärke Ihre Wände vertragen.


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FAQ


Wie dick sollte eine Innendämmung im Altbau sein?

Das hängt vom Wandaufbau, der Feuchtebelastung, der Wetterseite und dem Holz in der Wand ab. Bei einer klassischen Sandsteinwand von 50 bis 55 Zentimetern sind rund sechs Zentimeter kapillaraktive Dämmung für mich der übliche Ausgangspunkt. Ein Restrisiko bleibt aber immer. Bei Unsicherheit sollte man die Wand mit einer hygrothermischen Simulation prüfen, etwa mit WUFI.


Kann man ein Fachwerkhaus von innen dämmen?

Ja. Ich setze dafür bevorzugt dünne, kapillaraktive und diffusionsoffene Aufbauten wie Holzfaser oder Lehm ein, weil die Wand eingedrungene Feuchtigkeit nach innen abgeben muss. Andere Systeme sind möglich, brauchen aber einen sauberen Nachweis.


Muss die Fensterlaibung mitgedämmt werden?

Ja, und zwar rundum einschließlich des Bereichs über dem Fenster. Ohne Laibungsdämmung wird die Ecke am Fenster zur kältesten Stelle im Raum, und dort entsteht am ehesten Schimmel. Ist kein Platz vorhanden, sollte das neue Fenster beim nächsten Tausch ein paar Zentimeter kleiner gewählt werden.


Bekomme ich für eine Innendämmung Förderung?

Nur wenn der geforderte U-Wert erreicht wird. Für Außenwände mit Sichtfachwerk liegt er bei 0,65 W/(m²K) und ist realistisch erreichbar. Für Baudenkmale und besonders erhaltenswerte Bausubstanz gilt 0,45 W/(m²K), für alle anderen Gebäude 0,20 W/(m²K). Diesen Regelwert erreicht man von innen mit kapillaraktiven Dämmstoffen kaum in einer sinnvollen Stärke.


In einem kurzen Telefonat klären wir, ob sich der Aufwand für Ihr Vorhaben überhaupt lohnt. Wenn ich Ihnen sagen kann, dass Ihr Fachbetrieb das allein hinbekommt, sage ich Ihnen das.



Quellen und Grundlagen

BEG Einzelmaßnahmen, Förderrichtlinie vom 17.07.2026 (in Kraft seit 21.07.2026), Anlage Technische Mindestanforderungen

WTA-Merkblatt 6-4: Innendämmung nach WTA I, Planungsleitfaden

WTA-Merkblatt 6-5: Innendämmung nach WTA II, Nachweis mittels numerischer Berechnungsverfahren

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DIN 4108-3: Klimabedingter Feuchteschutz

U-Werte im Text: eigene vereinfachte Berechnung



Energieeffizienz-Experte - Baupraxis

Finanzökonom

Schwerpunkt: energetische Beratung von Altbauten




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